20.10.2017

54 ehemalige Eberswalder Eisenbahnwerker nach Fortbildung verabschiedet

33 motivierte, flexible M&E-Fachkräfte suchen nun neue Betätigungsfelder in Unternehmen der Region.

Nach fünfeinhalb Monaten sind am Freitag, d. 20. Oktober 2017, die Fortbildungen von 54 ehemaligen Mitarbeitern der EBW Eisenbahnwerk Eberswalde GmbH mit der Zertifikatsübergabe und viel anerkennenden Worten im bbw Bildungszentrum Frankfurt (Oder) zu Ende gegangen.
Dabei erhielten sie viel Anerkennug von allen Seiten: Vor allem für ihre überzeugende Motivation, sich trotz plötzlicher Kündigungen und ständiger Hiobsbotschaften vom einstigen Arbeitgeber, überwiegend mehr als 30 Jahre nach der Berufsausbildung wieder so intensiv Neues anzueignen. So lernten z.B. erfahrene Schlosser beim bbw im CAD-Labor computergestützt Werkstücke zu zeichnen, erhielten einen Einblick ins CNC-Programmieren und standen danach zum ersten Mal fasziniert an einer CNC-Drehmaschine. Einige der Männer lernten elektrische Schaltungen fachgerecht vorzunehmen. Andere erfuhren bei der Kreishandwerkerschaft, wie man mit verschiedenen Methoden professionell schweißt. Anerkennung erhielten sie alle aber auch für ihre Disziplin und die Bereitschaft, dafür täglich drei Stunden bis nach Frankfurt (Oder) zu fahren.
Die ehemaligen Eisenbahner, konnten nach der Insolvenz ihres Arbeitgebers vor allem dank der in kürzester Zeit durch die Agentur für Arbeit Eberswalde aktivierten Kräfte und einer hervorragenden Zusammenarbeit von Arbeitsagentur, Kreishandwerkerschaft und bbw Bildungszentrum Ostbrandenburg zusätzliches fachliches Know-how erwerben, das ihnen auf dem Arbeitsmarkt helfen soll, Anschluss zu finden. So erhielten sie für ihre neu erworbenen Qualifikationen aus dem bbw Modulsystem Fertigungstechnik bbw Zertifikate für die Module Elektro, CAD/CNC, Schweißen bzw. Maschinen- und Anlagenführung. Dafür haben sie einen Monat theoretischen Unterricht in Eberswalde sowie einen viermonatigen Praxisteil und ein Bewerbungstraining in Frankfurt (Oder) absolviert.
bbw Ausbilder Andreas Schulz lobte seine Gruppe: "Wenn man den Auftrag hat, so gestandenen Fachleuten wie den Eisenbahnwerkern noch etwas beizubringen, dann ist das auch für mich als Ausbilder sehr lehrreich und angenehm. Das war Arbeiten auf Augenhöhe. Mit viel Respekt füreinander. Ich habe ihnen zwar neue Technikthemen nahegebracht, Wissen vermittelt und die Anwendung trainiert, aber wichtig war hier vor allem, ihnen wieder Zuversicht in die eigenen Stärken zu geben, die jeder hat. Solche Kollegen zu haben, kann sich ein Unternehmen nur wünschen."
Wenn auch trotz Fachkräftemangels in Metall- und Elektroberufen überwiegend nicht in der Region, so fanden doch 17 Teilnehmer aus der Gruppe bereits während der Fortbildung wieder Arbeit - viele davon bei Unternehmen der Deutschen Bahn. Vier Absolventen haben ab Montag ein neues Arbeitsverhältnis, auch außerhalb Brandenburgs.
Für viele Eisenbahnwerker, die nach jahrzehntelanger Arbeit durch die Insolvenz ihres Arbeitgebers plötzlich arbeitslos geworden sind, ist der Neuanfang schwer vorstellbar, von dem alle sprechen, die Mut machen möchten und sogar fest daran glauben, dass der Fachkräftemangel in den Metall- und Elektroberufen im Land Brandenburg auch für ältere Arbeitsuchende echte Einstellungschancen eröffnet. Nicht zuletzt haben die meisten der Zertifikatsempfänger noch mehr als 15 Jahre Arbeit vor Rentenbeginn vor sich und vor allem sind sie motiviert zu arbeiten. Abwarten wollen sie definitiv nicht. Die meisten sind auch bereit von Eberswalde an einen neuen Arbeitsort zu pendeln. Radsatzschlosser und jetzt auch Elektrofachkraft Peter Stock, fährt ab Montag 600 km zu seinem neuen Arbeitgeber, nach Paderborn. Er hat einen unbefristeten Vertrag bei der Deutschen Bahn. Leicht fällt es ihm trotzdem nicht zu gehen. Sven Marteaux, der seit seiner Kindheit für die Eisenbahn lebt und seit der Lehre in Eberswalde Schlosser bei der Eisenbahn war, kann sich einen Beruf ohne Bahn nur schwer vorstellen, seinem ehemaligen Arbeitgeber aber auch kaum vergeben, dass er an seinem 50. Geburtstag die Kündigung bekam. Er sagt: "Ich habe bei der Fortbildung im Bereich Maschinen- und Anlagenführung ein neues Berufsfeld kennengelernt. Ich könnte mir vorstellen, mich im Bereich Verkehr und Logistik näher umzusehen." Jörg Hellwig, der in den vergangenen viereinhalb Monaten einen Einblick ins CAD-Zeichnen und CNC-Programmieren, Drehen und Fräsen bekommen hat, hat noch keine Idee davon, wie die Zukunft aussehen könnte. Er möchte sich verschiedene Möglichkeiten offenhalten und abwägen.
Erfreulicherweise gab es dafür sehr optimistischste Aussagen - Steffen Murawski, Bereichsleiter der Agentur für Arbeit Eberswalde sagte: "Ich freue mich heute besonders über zwei Dinge: Dass viele aus der Gruppe heute nicht hier sitzen, weil sie schon wieder Arbeit habe. Ich freue mich aber auch, dass Sie hier sind, denn Sie haben durchgehalten und ihre Fortbildung erfolgreich abgeschlossen. Nun ist die Frage: Wie geht es weiter? Wir wollen, dass Sie wieder in Arbeit kommen. Mit dieser oder einer weiteren Qualifizierung. Wir haben, um ihre Arbeitsverhältnisse zu retten, schon viel Geld in die Hand genommen, das haben wir gern getan ... und wir würden es wieder tun. Kommen Sie zu uns, wir werden Sie unterstützen." Und so lädt Steffen Murawski die Eisenbahnwerker ein, gleich am nächsten Freitag ins Berufsinformationszentrum der Arbeitsagentur Eberswalde zu einer Info-Veranstaltung der Potsdamer Eisenbahngesellschaft zu kommen, die Wagenmeister, Triebwagenführer und Fahrzeugmeister sucht.
"Diese Männer und eine Frau haben uns mit ihrer großen Berufserfahrung, ihrer Liebe zur Technik, ihrem Geschick und ihrer Motivation - trotz Riesen-Enttäuschung, nach so vielen Jahren im Eisenbahnwerk die Kündigung bekommen zu haben - vollends überzeugt. Sie haben eine Fortbildung absolviert, die vor allem neues Wissen vermitteln und das Selbstvertrauen stärken sollte, auch mit 50+ einen Neuanfang zu wagen. Ich wünsche jedem Einzelnen Glück dafür. Falls es bei einigen nicht so schnell klappt und die Arbeitsagentur wie versprochen im Boot ist, steht das bbw Ostbrandenburg bereit, z.B. die bisherige Qualifizierung noch aufzustocken, zu vertiefen oder neue Bildungsziele umzusetzen", betont Jürgen Weiß, Geschäftsführer der bbw Bildungszentrum Ostbrandenburg GmbH.


Impressionen

Zurück