14.06.2016

Vermittlung von Geflüchteten in Arbeit oder Ausbildung - wer kann was?

bea Brandenburg - Informationsveranstaltung in Wriezen

Die bea Brandenburg gibt Firmen Informationen, ein Netzwerk, direkte Unterstützung - gestern sogar ein erstes Matching.

Was ist zu tun, wenn ein Unternehmen einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz an einen Flüchtling vergeben möchte? Wie findet man Flüchtlinge mit passenden Fähigkeiten, wo gibt es Informationen und, wer ist der richtige Ansprechpartner, wenn es darum geht, wie neue und einheimische Mitarbeiter gut zusammenarbeiten? Um diese Fragen zu beantworten, hatte die Betriebliche Begleitagentur bea-Brandenburg - ein Gemeinschaftsprojekt von Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb) und bbw - Interessenten zu einer Informations-, Netzwerk- und Matchingveranstaltung eingeladen.

Am 13. Juni 2016 trafen sich so die Akteure des Arbeitsmarkts in Ostbrandenburg an unserem bbw Standort in Wriezen. Mit dabei die Agentur für Arbeit, IHK, HWK, UVB und natürlich interessierte Unternehmen aus der Region Ostbrandenburg und die ersten 20 Flüchtlinge aus einem Kurs, der passend zum Anliegen der Veranstaltung "Perspektiven für Flüchtlinge" heißt und neben der Sprachvermittlung vor allem darauf ausgelegt ist, die Fähigkeiten und vorhandenen Berufserfahrungen der Teilnehmer zu ermitteln. Denn das gemeinsame Ziel aller eingeladenen Akteure ist es, die Menschen schnellstmöglich in Arbeit zu vermitteln, damit sie in der Region bleiben und hier besonders bei kleineren Handwerksbetrieben und Dienstleistungsunternehmen dazu beitragen, dass freie und schon in absehbarer Zeit in Größenordnungen frei werdende Stellen nicht unbesetzt bleiben. Ein Teil von ihnen stellte sich mitsamt Abschlüssen, Berufserfahrungen und Tätigkeitswünschen zum Beginn der Veranstaltung persönlich vor - teilweise schon in beeindruckend gutem Deutsch.

Die meisten Kursteilnehmer hatten bereits Bewerbungen mitgebracht, um den Anwesenden zu zeigen: "Wir wollen arbeiten, am besten sofort!" und sie den Arbeitgebern direkt zu überreichen, die offene Stellen oder Ausbildungsplätze mit qualifizierten Zuwanderern besetzen möchten. "Dabei wurden hier neue ernst gemeinte Kontakte und Termine zwischen Arbeitgebern und unseren Kursteilnehmern geknüpft, einige schon vorhandene vertieft und Bewerbungen tatsächlich mehrfach weitergegeben" resümiert Volker Eckloff, bbw Niederlassungsleiter aus Strausberg. Auch für die Betriebliche Begleitagentur (bea Brandenburg) hat sich der Tag gelohnt, denn im Austausch mit den Firmenvertretern konnten ganz direkt wichtige Fragen z. B. zum Aufenthaltsstatus und zu konkreten Hilfsangeboten geklärt und Beratungstermine in den Betrieben vereinbart werden.

Dana Manthey (f-bb) und Kai Simmerl (bbw) bieten im Rahmen des Projekts bea Brandenburg an, solche Informations- und Netzwerktreffen für interessierte Betriebe mit Flüchtlingen fortzuführen. Für Bashar Saleh, der gerade bei der Luft und Klima GmbH aus Herzfelde ein Praktikum absolviert hatte und sehr gern bleiben würde und die Geschäftsführung des Unternehmens, die ihn ebenso gern weiter beschäftigen möchte, war es gut, dass neben der bea Begleitagentur als Beratungsstelle für Unternehmen mit Kerstin Kurths-Buchloh auch die Leiterin des Geschäftsstellenverbundes der Agentur für Arbeit Märkisch Oderland, Matthias Budow vom Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit, Sigrid Baumgärtner, die Koordinatorin für die Flüchtlingsarbeit sowie Gabriele Pfeiffer vom IQ-Netzwerk Brandenburg vor Ort waren und ebenso direkte Unterstützung für ihr Anliegen auf den Weg bringen konnten.

Wie Bashar Saleh, berichtet bbw Projektleiter Sebastian Stranz, konnten schon viele der Teilnehmer aus dem PerF-Projekt in einen Praktikumsbetrieb vermittelt werden, um ihre beruflichen Kompetenzen festzustellen. Darüber, ob ein Praktikum oder eine Beschäftigung aufgenommen werde könnten, entscheidet der Aufenthaltsstatus, sagt Kerstin Kurths-Buchloh. Ist der Antrag auf Asyl vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) abgelehnt, könne der Flüchtling noch so viele Zusagen von Firmen haben, ohne Aufenthaltsgenehmigung ginge nichts. "Diese Verfahren können eine Woche bis ein Jahr dauern", so die Geschäftsstellenleiterin der Arbeitsagentur. In der Gruppe der Geflüchteten seien im vorigen Jahr 14 Ärzte u.a. aus Syrien, Afghanistan, Irak gekommen. "Sie wollen wir natürlich in der Region halten", sagt Kerstin Kurths-Buchloh. Daneben gebe es auch eine ganze Reihe von Jugendlichen, die ohne Begleitung ihrer Eltern oder Familien hierhergekommen sind. Auch sie könnten Praktikumsplätze annehmen. Den regionalen Unternehmern, die Praktikumsplätze für Jugendliche anbieten könnten, um zu prüfen, ob diese vielleicht auch eine betriebliche Ausbildung bei ihnen absolvieren würden, empfahl sie, den Kontakt zum Oberstufenzentrum Märkisch-Oderland. Dort könnten die Details besprochen werden.

Wenn Unternehmen Flüchtlingen Jobangebote unterbreiten würden, die bereits einen Aufenthaltsstatus haben, deren Wohnort aber weit weg sei, würden auch Umzüge von der Agentur gefördert, erläutert Kerstin Kurths-Buchloh. Bedingung. Wichtig sei dafür allerdings, dass die Sprachkenntnisse gut seine und der Bewerber zumindest wichtige Qualifikationen vorweisen könne, um eine Bleibeperspektive zu haben. Im besonderen Fall sei sogar die Finanzierung einer Führerscheinprüfung möglich.

Von der Motivation der Flüchtlinge wussten auch die bbw Mitarbeiter positiv zu berichten. "Unsere Teilnehmer sind alle pünktlich und hochmotiviert. Wir haben bislang keine schlechten Erfahrungen gemacht", sagte Projektleiter Sebastian Stranz. Viele der Teilnehmer aus dem Projekt konnten bereits in eine berufspraktische Kompetenzermittlung - oder vereinfacht in ein Praktikum - vermittelt werden.

Im bbw Ostbrandenburg werden nun alle 6 Wochen die nächsten 20 Geflüchteten in einen neuen PerF-Kurs aufgenommen. Damit die Vermittlung in Arbeit und Ausbildung gut vorankommt, können sich an neuen Mitarbeitern interessierte Firmen beim bbw melden und sie über einen Praktikumsplatz kennenlernen. Sie profitieren dann selbstverständlich auch von den ersten Erfahrungen anderer Firmen und vor allem von den Unterstützungsangeboten und vom IQ-Netzwerk, von bea Brandenburg, f-bb und bbw in der Region.

Gefördert wurde die Veranstaltung durch das Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie (MASGF) des Landes Brandenburg.

Auch die Märkische Oderzeitung hat am 14.6.2016 über die Veranstaltung von bea Brandenburg und bbw berichtet: Hier der Beitrag in der Online-Ausgabe der MOZ: http://www.moz.de/artikel-ansicht/dg/0/1/1490553/

Nähere Informationen zu den konkreten Unterstützungsangeboten der Betrieblichen Begleitagentur finden Sie hier: www.bea-brandenburg.de

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