"Jeder, der sich interessiert und engagiert genug ist, kann die Umschulung schaffen."

Valentina Lang ist als Projektleiterin am bbw e.V. tätig und gibt im Interview Einblicke in die Umschulung zum/zur Verwaltungsfachangestellten.

Was ist Ihre Tätigkeit am bbw?

Ich arbeite seit 2017 im bbw als Projektmanagerin. Aktuell betreue ich zusammen mit meiner Kollegin Frau Rumsauer fünf Umschulungsgruppen im Bereich "Verwaltungsfachangestellte" und eine Umschulungsgruppe im Bereich "Kaufmann/-frau für Büromanagement".

Was macht ein oder eine Verwaltungsfachangestellte?

Verwaltungsfachangestellte arbeiten, ganz allgemein gesagt, im öffentlichen Dienst auf Bundes-, Landes-, oder Kommunalebene. Dort organisieren sie verschiedene Verwaltungsabläufe - und genau das müssen sie in einer Ausbildung oder einer Umschulung lernen. Wichtig ist auch immer, zu wissen, in welchem Rechtsgebiet man sich bewegt. Die Umschulung hat deshalb einen sehr hohen Anteil an Rechtsfächern wie z.B. Sozialhilferecht, Haushaltsrecht oder auch Arbeitsrecht.

Verwaltungsfachangestellte können sehr breit gefächert arbeiten - vom Bezirksamt über Landesamt bis zur Schulverwaltung. Daneben sind auch Arbeitsorte wie Bürgeramt, Industrie- und Handelskammer oder Kirchverwaltung denkbar. Deswegen müssen wir unsere Umschüler auch breit ausbilden.

Wie unterscheiden sich ein Verwaltungsfachangestellter und etwa ein Kaufmann für Büromanagement voneinander?

Ja, diese beiden werden öfters mal von Interessenten verwechselt. Büromanagement ist eine kaufmännische Ausbildung, später wird eher in privatwirtschaftlichen Unternehmen auf dem freien Arbeitsmarkt gearbeitet. Da geht es um die zwei großen Bereiche Büroprozesse und Geschäftsprozesse. Verwaltungsfachangestellte hingegen arbeiten in der Regel im öffentlichen Dienst und müssen sich sehr gut mit Verordnungen und Verwaltungsabläufen auskennen.

Für wen eignet sich der Beruf des Verwaltungsfachangestellten?

Da es ein sehr rechtslastiger Beruf ist, sollte natürlich ein Interesse an Gesetzestexten vorhanden sein. Dann ist es natürlich, trotz der voranschreitenden Digitalisierung, immer noch ein klassischer Bürojob. Aber auch Arbeit am Kunden ist wichtig - gerade dann, wenn man später mal im Bürgerservice arbeitet. Deswegen ist ein Lehrinhalt der Umschulung auch das bürgerorientierte Handeln. Kommunikationsfähigkeit und sehr gutes Deutsch sind ebenso unerlässlich.

Das alles mag erstmal trocken klingen, dabei kann es je nach Einsatzort - und gerade dann, wenn man direkt am Bürger arbeitet - auch super spannend sein. Der Job des Verwaltungsfachangestellten eignet sich also besonders gut für Menschen, die Sicherheit und Stabilität möchten. Sie sollten strukturiert und diszipliniert arbeiten können.

Zudem sollten Interessenten lerngewohnt sein, denn außerhalb des Unterrichtes muss häufig in Eigeninitiative gepaukt werden.

Umschüler müssen jedoch keine Vorkenntnisse im Büro haben - jeder, der sich interessiert und engagiert genug ist, kann die Umschulung schaffen. Deswegen führen wir am bbw stets ein Erstgespräch durch, bei welchem wir unsere Kandidaten kennenlernen, ihre Kompetenzen einschätzen und sie auch auf Gespräch mit dem Jobcenter und Arbeitsamt vorbereiten.

Was ist das Besondere an einer Umschulung?

Wer eine Umschulung macht, hat in der Regel schon einen ersten Bildungsweg hinter sich und möchte - oder muss - umsatteln. Nicht wenige haben zum Beispiel nach Jahren einfach keine Lust mehr auf ihren Job und orientieren sich deshalb um. Natürlich gibt es auch solche, die gesundheitlich nicht oder nicht mehr körperlich arbeiten können. Nicht wenige möchten nach Jahren im Schichtdienst auch einfach einen geregelten Job mit freien Wochenenden.

Wenn ich mich für eine Umschulung mit Bildungsgutschein interessiere, wie muss ich dann vorgehen?

In der Regel kontaktieren mich Interessenten direkt, und wir vereinbaren ein erstes Gespräch. Dabei geht es um die allgemeinen Abläufe, nötige Voraussetzungen und natürlich, wie eine solche Umschulung finanziert werden kann. Viele finanzieren sich Ihre Umschulung nämlich über einen Bildungsgutschein.

Deshalb versuchen wir, die Interessenten direkt für ein Gespräch mit dem Arbeitsamt zu wappnen - welche Argumentationskette gut ist, wie man sich entsprechend verkauft. Wir stellen Interessenten zudem eine Bestätigung über dieses Gespräch und ein Umschulungsangebot aus, um den Prozess zu beschleunigen. Ist der Bildungsgutschein erstmal genehmigt, können wir intern planen. Damit dies so reibungslos wie möglich klappt, stehen wir den Interessenten von Anfang an zur Seite.