23.01.2019

bbw Ostbrandenburg und UVB blicken in Frankfurt (Oder) auf das zurückliegende Jahr und 2019

Traditionell gemeinsamer Neujahrsempfang im Haus der Wirtschaft Frankfurt (Oder) mit Gästen aus Wirtschaft, Politik und Bildung.

Traditionell zum Start ins neue Wirtschaftsjahr, begrüßten UVB und bbw Ostbrandenburg bei ihrem diesjährigen Neujahrsempfang ihre Gäste aus Wirtschaft, Politik und Bildung im Haus der Wirtschaft Frankfurt (Oder).

Mit einem kritischen Blick sah Jürgen Weiß, Geschäftsführer der bbw Ostbrandenburg GmbH für sein Unternehmen auf das Jahr 2018. Es sei ein anstrengendes Jahr gewesen, das durch die verschleppte Bildung der Bundesregierung und den damit verbundenen Haushaltsstopp der öffentlichen Auftrags- und Geldgeber ein weiteres Wachstum des Unternehmens behindert habe. So sei es erst im vierten Quartal möglich gewesen, die Lage wieder zu stabilisieren. Dafür, dass das gelungen sei, dankte er besonders seinen hochmotivierten Mitarbeitern, aber auch den Verantwortlichen der Städte und Kommunen sowie Jobcentern, Kammern und Verbänden im Land. In seinem Vortrag zeigte er, wie sich das bbw Ostbrandenburg in 2018 in wesentlichen Geschäftsfeldern vorweisen kann und wagte dann in einzelnen Bereichen auch Prognosen auf künftige Entwicklungen.
Allein in Frankfurt (Oder) hätten im Jahr 2018 etwa 650 Ostbrandenburger eine Qualifizierungs-, Aktivierungs- oder Beschäftigungsmaßnahme absolviert. Darunter eine im Vergleich zu 2017 wachsende Anzahl Langzeitarbeitsloser. Dieser Trend wird auch im laufenden Jahr anhalten. Daneben hätten in 2018 im bbw Ostbrandenburg auch deutlich mehr BAMF-finanzierte Sprachkurse stattgefunden. Insgesamt, sagte der bbw Geschäftsführer, lägen die Integrationsquoten der Absolventen in Arbeit bei über 50 %, teilweise sogar deutlich darüber. Nach Kursen zur Vorbereitung auf Beschäftigungen in Bereichen der Pflege- und Sicherheitsdienstleistungen sogar bei fast 100 %. Gerade in Programmen zur Förderung, Motivation und Aktivierung von Langzeitarbeitslosen habe es besonders in Frankfurt (Oder) und Seelow sehr gute Ergebnisse gegeben, die ohne die enge Zusammenarbeit mit den Stadtverwaltungen und JobCentern vor Ort undenkbar gewesen wären. Auf besonders innerhalb dieser Kundengruppe steigende Teilnehmerzahlen und die Aufgabe, laut neuem Teilhabechancengesetz individuell mit ihnen zu arbeiten, habe sich das bbw Ostbrandenburg an allen Standorten bereits eingestellt. Zum Beispiel mit verschiedenen Teilqualifizierungen und dem Weiterbildungsangebot "Hausmeister/Facilitymanagement" - für die überdurchschnittlich vielen Männer unter den Arbeitslosen in Frankfurt (Oder). Auch Ausbildungen und Umschulungen, z.B. zur Kauffrau für Büromanagement oder Einzelcoachings speziell für die ebenfalls zuletzt steigende Anzahl junger Frauen und Mädchen unter 25 Jahren mit Kind und ohne Job seien bereits im Angebot. bbw Geschäftsführer Weiß berichtete auch über die deutlich zunehmenden Mühen der Kollegen, die im Land Brandenburg u.a. in Projekten der "Aufsuchenden Berufsorientierung" unterwegs seien, um Schulabgänger für technische Berufe zu gewinnen. Allein 15 könnten ausbildungswillige Unternehmen gemeinsam mit bbw in Frankfurt (Oder) als Verbundausbildung realisieren. Ab 2019 soll eine Rekrutierungs-Servicestelle Unternehmen bei der Besetzung ihrer freien Ausbildungsplätze, bei der Koordinierung und Durchführung der Ausbildung unterstützen. Aktuell seien 118 Lehrlinge am bbw Standort Frankfurt (Oder) unter Vertrag. Um diese Zahl mindestens zu halten und möglichst wieder wachsen zu lassen, parkt 2019 auch bereits zum dritten Mal am Berufsinfo-Tag im März der XXL-Truck des VME (Verband der Metall- und Elektroindustrie) vor dem Haus der Wirtschaft in Frankfurt (Oder). Zusätzlich fährt das bbw-MINT-Mobil das ganze Jahr über als "mobile Anlaufstelle für Schulen, junge Menschen, Eltern und Unternehmen" von Ort zu Ort und berät über Berufe, Ausbildungsmöglichkeiten und Karrierewege in der Region.
Auch für die berufliche und soziale Integration von Geflüchteten und Migranten sollen 2019 verschiedene Konzepte realisiert werden. Dabei geht es vor allem um die sinnvolle Kombination von Formaten und Förderinstrumenten von BAMF und Agentur für Arbeit. Beispiele dafür seien die verschiedenen Berufssprachkurse "Brücke", die durch Kombination von Sprachförderung und einer wirtschaftsnahen Fortbildung, die wie Teilqualifizierungen unternehmenstaugliche Lösungsansätze für verschiedene Branchen und Defizitberufe sein könnten.
Der Geschäftsführer der Bezirksgeschäftsstelle Cottbus/Frankfurt (Oder) der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg, Eberhard Tomsche, gab einen Überblick über die wirtschaftliche Entwicklung der Region. Stolz verwies er auf das Wachstum der Wirtschaftsleistung des Landes Brandenburg mit einer weiter aufstrebenden Gesundheitswirtschaft und den besten Wachstumswerten unter den neun bundesdeutschen Flächenländern. Dafür stünden auch die allein in 2018 im Land geschaffenen 14.000 zusätzlichen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze und eine dauerhaft niedrige Arbeitslosenquote bei unter 6 %. Natürlich trübten die Schlagzeilen um den Photovoltaikhersteller Astroenergy Solarmoduole GmbH das Bild. Die Unternehmensleitung hat erst vor wenigen Tagen die Einstellung der Produktion am Standort und damit den Verlust von bis zu 230 Arbeitsplätzen angekündigt. Aber auf der anderen Seite gebe es auch Technologie-Start-ups wie die UniCaps GmbH oder Großunternehmen wie Yamaichi Electronics Deutschland Manufacturing GmbH, die in Zukunftstechnologie, Produktentwicklung und ihre Standorte in Frankfurt (Oder) investierten. Daneben bestehe Hoffnung auf die Ansiedlungen von Handels- und Logistikunternehmen an der Autobahn, denn "der BER wird kommen. Er wird kommen." sagte Eberhard Tomsche.
Unzufrieden müsse man mit der Tatsache sein, dass es im Durchschnitt 166 Tage und bis zu 8 Monate dauerte, bis Unternehmen eine ausgeschriebene Stelle besetzen könnten. Allein in der regionalen Metall- und Elektrobranche blieben 2018 rund 1.700 Stellen unbesetzt. Auch im Bereich der Digitalisierung als wichtigem Standortfaktor für die Wirtschaft sei es nicht schnell genug vorangegangen. "Im Netzausbau ist noch viel zu tun", erklärte Tomsche und an die Politik gerichtet, "hier reicht es nicht, Lippenbekenntnisse abzugeben." Außerdem bestehe die klassische UVB-Forderung in Erwartung künftiger Auszubildender der Unternehmen nach wie vor: "Die Schulen müssen digitaler werden." Insgesamt blieb der Geschäftsführer der hiesigen UVB-Bezirksgeschäftsstelle dennoch optimistisch, dass das Wahljahr die Dinge wahrscheinlich zumindest beschleunigen werde - auch wenn sich die Prognosen der Wirtschaftsforschungsinstitute für das geschätzte Wachstum bundesweit bereits wieder etwas eintrüben würden.


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