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Betriebliche Demokratiekompetenz durch Kooperationen

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Am 25. April lud das bbw Bildungszentrum Ostbrandenburg in Frankfurt (Oder) als Träger des BMAS-Projekts " Unternehmerisch-demokratisch-miteinander für Brandenburg" gemeinsam mit dem Forschungszentrum ZENIK PLUS Vertreter:innen aus Wirtschaft, Gesellschaft, Politik und Bildung zur Auftaktveranstaltung der Mitwelt-Gespräche in die IHK Ostbrandenburg ein. Der Austausch zeigte, dass Unternehmen zunehmend soziale Verantwortung übernehmen werden, um zukünftig konkurrenzfähig zu bleiben. Darüber hinaus stellte sich soziales Lernen in ehrenamtlicher Tätigkeit als eine Maßnahme heraus, um soziale Kompetenzen bei Auszubildenden zu verbessern.

Interkulturelle Erfahrungen als Bereicherung verstehen
Nach der Eröffnung der Veranstaltung durch Mario Primas, dem Regionalbereichsleiter der bbw Ostbrandenburg, betonte Claus Junghanns, Bürgermeister der Stadt Frankfurt (Oder) gegenüber den 20 Teilnehmenden die Bedeutung insbesondere der länderübergreifenden Zusammenarbeit in der hiesigen Grenzregion. Dabei sollten die interkulturellen Erfahrungen als Bereicherung für das eigene Unternehmen und nicht als unvereinbarer Gegensatz verstanden werden. Er begrüßte die Veranstaltungsreihe, die sich der Stärkung von Demokratiekompetenz in Brandenburger Unternehmen widmet. An der Überwindung von interkulturellen Herausforderungen arbeitet das bbw Ostbrandenburg bereits in den Projekten " MobiPro-EU" und im weiterhin laufenden bundesweiten Netzwerk " Integration durch Qualifizierung" mit.

Zufriedenheit als Schlüssel für Unternehmenserfolg
Thoralf Buller, Professor für Unternehmensführung und Personalmanagement an der bbw Hochschule und wissenschaftlicher Leiter des Zentrums für nachhaltige und innovative Konzeptionen für gutes Leben, öffnete das Thema "Betriebliche Demokratiekompetenz" mit einem Überblick, was Unternehmen in Zukunft ausmacht und welche Anforderungen an Führungskräfte und Mitarbeiter:innen damit verbunden sind. Ein Schwerpunkt sei dabei die Anpassungsfähigkeit von Unternehmen, um auf Veränderungen zu reagieren. Um diese betriebliche Flexibilität zu erreichen, ist ein Unternehmen auf die Mitwirkung aller Angestellten angewiesen. Ein weiterer Schwerpunkt ist der schonende Umgang mit Ressourcen, wobei die wichtigste Ressource in Unternehmen der Mensch sei. Daher komme es darauf an, dass Führungskräfte zukünftig offen und authentisch kommunizieren, soziale Kompetenzen in der Belegschaft gestärkt werden und sich idealerweise ein WIR-Gefühl einstellt. Durch demokratische Strukturen in Unternehmen werde die Zufriedenheit der Mitarbeitenden gestärkt, was wiederum mentale Gesundheit und höhere Motivation für den Job zur Folge habe.

Unternehmensverantwortung als Antwort auf den Fachkräftebedarf
Daraufhin stellten mehrere Praxispartner:innen Ansätze und Lösungen vor, wie Unternehmen ihre betriebliche Demokratiekompetenz stärken können. Ulrich Temps, Geschäftsführender Gesellschafter der temps GmbH Malereibetriebe, zeigte den Teilnehmenden anhand von Best-Practice-Beispielen, wie sich sein Unternehmen seit Jahren um Auszubildende unabhängig von ihrer Herkunft bemüht. Dabei wird den Auszubildenden aus der ganzen Welt nach abgeschlossenem Ausbildungsvertrag einiges geboten. Neben unterstützenden Lehrangeboten, einer kostengünstigen Firmenwohnung, weitreichenden Entwicklungsmöglichkeiten und diversen Maßnahmen, die den Zusammenhalt der gesamten Belegschaft fördern, geht die Verantwortung des Unternehmens soweit, dass Asylverfahren rechtlich begleitet und der Erwerb eines Führerscheins mit einem zinslosen Darlehen unterstützt wird. Grundlage für die Betriebskultur bei temps sind dabei soziale Werte, die gemeinsam gelebt werden.
Harald Rettich, Teamleiter bei myclimate Deutschland gGmbH zeigte, dass Verantwortung im Klimaschutz zukünftig ein weiteres wichtiges Kriterium für die Arbeitgeber:innenattraktivität sein kann. Viele Menschen seien sich der Auswirkungen des Klimawandels bewusst und mit zunehmend spürbaren Folgen werden Arbeitnehmer:innen immer stärker darauf achten, dass Unternehmen ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Soziale Kompetenz durch Ehrenamt
Sabine Werth, Mitbegründerin und Vorstandsvorsitzende der Berliner Tafel e. V. stellte dar, welche Erfahrungen ihr Verein bisher mit Unternehmenskooperationen gemacht hat und inwiefern Firmen von der Zusammenarbeit profitieren können. Dass Auszubildende durch die kurzzeitige Einbindung in eine ehrenamtliche Tätigkeit etwas lernen, was ihnen in durch Ausbilder:innen nur selten vermittelt werden kann, davon berichtete auch das Netzwerk UPJ e. V., vertreten durch Ellen Sturm. Nach ihrer Ansicht gelinge die fachliche Ausbildung schon sehr gut, aber die Vermittlung von sozialen Kompetenzen, die für betriebliche Demokratiekompetenz grundlegend seien, stelle Unternehmen vor Herausforderungen. Daher vermittelt das Netzwerk UPJ zwischen Wirtschaftsbetrieben und sozialen Einrichtungen, damit Betriebe ehrenamtliche Tätigkeiten in den Rahmen ihrer Ausbildung einbinden können. Diese wertvolle Erfahrung der sozialen Arbeit sei nicht nur für junge Menschen hilfreich, sondern stelle auch für Berufserfahrene eine Bereicherung dar. Dementsprechend profitieren Unternehmen von gemeinnützigem Engagement nicht nur aus Marketingsicht. Die kurzzeitige Einbindung von Mitarbeitenden in eine ehrenamtliche Tätigkeit kann ebenfalls Kompetenzen stärken, die für Unternehmen zukünftig wettbewerbsentscheidend sein werden. Dementsprechend wurde in den anschließenden Workshops vor allem dieser vielversprechende Ansatz des Perspektivwechsels diskutiert.

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